Jeder, der in Optionsscheine oder gar Optionen an der Terminbörse schon investiert, hat es direkt im Anschluss mit der impliziten Volatilität zu tun. Oft ist die Erfahrung schmerzhaft, da ja meistens auf steigende Kurse spekuliert wird. Steigen die Kurse wie erwartet, entwickelt sich der Optionsschein dann häufig (gefühlt) unterproportional zum Anstieg. Das liegt an der grundsätzlichen Bewertung von Optionen und daran, dass der gesamte Finanzmarkt normalerweise steigende Kurse mit sinkenden impliziten Volatilitäten quittiert. Obwohl die Richtung also stimmt, enttäuscht der Erfolg des Investments. Natürlich kann man auch ohne Einfluss der impliziten Volatilität, zum Beispiel mit (gehebelten) Turbo-Zertifikaten, auf steigende Kurse spekulieren. Der Preis dafür ist jedoch ein oft höheres Risiko.

Die implizite Volatilität spielt im abgesicherten TimmInvest Europa Plus Fonds zur Zeit eine besondere Rolle. Da der Fonds mit Juni und Dezember Put-Optionen auf den STOXX Europe 600 an der EUREX abgesichert ist, weist er automatisch eine hohe Exponierung zur impliziten Volatilität auf. Sinkt diese, sinkt der Wert des Absicherungspakets an Optionen. Und dank des erfolgreichen Jahresauftakts an den europäischen Aktienbörsen geht die implizite Volatilität gerade zurück:

Deutsche Börse VDAX-NEW Volatility Index, Quelle: TimmInvest, Bloomberg

Dieser Effekt belastet die Bewertung des Fonds spürbar. Trotz dieses negativen Effekts, ist der Einsatz von Optionen (anstatt z. B. Futures) zur Absicherung jedoch auch in einem steigenden Markt sinnvoll:

  1. Der potentielle Verlust von Optionen ist im Gegensatz zum Einsatz von Futures begrenzt.
  2. Die potentiellen Gewinne der abgesicherten Aktien nach oben sind unbegrenzt.
  3. Bei einem starken Kurseinbruch steigt die implizite Volatilität (s. 2020 im Chart oben) und damit der Wert der Absicherungsoptionen überproportional stark: also genau dann, wenn man die Absicherung braucht! In 2022 hat das übrigens wunderbar funktioniert (s. Performance Link unten).
  4. Die implizite Volatilität ist für jeden Basispreis unterschiedlich. Dieser im Fachjargon als “skew” bezeichnete Effekt führt dazu, dass Optionen tief unter dem heutigen Marktniveau eine sehr hohe implizite Volatilität haben. Bei Basispreisen weit über dem heutigen Marktniveau ist das Gegenteil der Fall. Das führt bei stark steigenden Märkten automatisch zu steigenden impliziten Volatilitäten, wenn der Basispreis der Absicherung konstant gehalten wird. Obwohl also übergeordnet die implizite Volatilität fällt, steigt die individuelle implizite Volatilität der Absicherungsoption! Dieser Effekt kann kompensierend oder gar überkompensierend sein.

Dieser kleine Ausflug ins technische Management von Optionsstrategien zeigt, wie vielschichtig eine Absicherungsstrategie ist. Zusätzlich hat jede Restlaufzeit einer Option noch einmal eine oft unterschiedliche implizite Volatilität. Eine nur noch eine Woche laufende Option kann völlig anders bewertet werden als eine bis Ende des Jahres laufende Option.

Man sollte trotz der Komplexität des Themas (auch hier) allein das Positive sehen. Im Gegensatz zu einer Immobilie oder gar einer Kryptowährung existieren fast unendlich viele Möglichkeiten, ein Aktienengagement mit einer Absicherungsstrategie zu begleiten. Und durch das reduzierte Risiko kann man sich je nach Risikobudget mehr Aktien leisten. Für diesen Luxus muss man jedoch einen Preis zahlen. Diesen gilt es nach Möglichkeit durch Ausnutzung der natürlichen Marktschwankungen zu minimieren. Beispielsweise kann man Absicherungsgewinne immer mal wieder realisieren oder durch Abkürzung der Absicherungsstrecken die Kosten senken. Und das nach oben offene Aktienportfolio bietet auch immer die Möglichkeit, durch den Verkauf von (gedeckten) Call-Optionen kompensierende Zusatzerträge zu generieren.

So viel Theorie für heute. Die wenigsten Anleger interessieren sich für diese Details, zu Recht! Die Welt kann ja auch sehr einfach sein: Entweder der Markt steigt oder er fällt. Fertig! Und viele Anleger fahren mit dieser Sichtweise bestimmt auch besser als mit einer komplexen Optionsstrategie. Ich jedoch könnte mir eine moderne Aktienanlage ohne eine begleitende Optionsstrategie gar nicht mehr vorstellen.

Zum Schluss noch ein Wort zum Beitragsbild oben. Es gab einige Anfragen, wo es aufgenommen wurde. Das Rätsel habe ich durch die Erweiterung des Ausschnitts gelöst. Es ist ein Graffiti am Main, direkt gegenüber der EZB. Viele sind dort bestimmt schon vorbei gelaufen und haben es nie wahrgenommen. Es ist eben vieles oft eine Frage der individuellen Betrachtung.

Ich wünsche Ihnen eine tatkräftige zweite Januarwoche!

Planmäßiges Datum nächster Blog: Mittwoch, 11. Januar (Podcast zur Markteinschätzung und Strategie)


Vortragsankündigung:

Mit Sicherheit mehr Aktien!

Anlagestrategie und Marktausblick.

Vortrag am 21. Januar am Börsentag Dresden.

Alle Vorträge im Überblick!


Produktpräsentation:

Hier geht es zur aktuellen Präsentation über die zwei Tranchen des TimmInvest Europa Plus Fonds:

Fondsportrait TimmInvest Europa Plus Fonds

Wertentwicklung, Volatilität und Performance-Kennzahlen

Wertentwicklung & Sharpe Ratio TimmInvest Europa Plus Fonds (Universal Investment)


TimmInvest Europa Plus Fonds (Anteilklasse P)

WKN: A2QCXX        ISIN:DE000A2QCXX0180

Synthetische Aktienquote: ca. 63,40%  (per 10.01., 11:04 Uhr, Quelle TimmInvest)

VAR Auslastung: 59,32% (per 06.01., Quelle Universal Investment)

Anteilwert Entwicklung:

Ausschüttung:

13.12.2022:   €105,95

14.12.2021:    €102,89        (nach Ausschüttung von €3,00)

Jahresende 2021:

30.12.2022: €100,73

Zuletzt:

02.01.2023: €100,95

03.01.2023: €100.95

04.01.2023: €102,76

05.01.2023: €102,65

06.01.2023: €103,41

Wochenende

09.10.2023: €103,89

Quelle: Universal Investment


TimmInvest Europa Plus Fonds (Anteilklasse I)

WKN: A3DQ2V        ISIN:DE000A3DQ2V1

Anteilwert Entwicklung:

01.12.2022: €100,00 (Auflagetag: erster Anteilwert)

02.12.2022: €99,83

Zuletzt:

27.12.2022: €97,56

28.12.2022: €97,56

29.12.2022: €97,93

30.12.2022: €97,27

Wochenende

02.01.2023: €97,49

03.01.2023: €98,40

04.01.2023: €99,24

05.01.2023: €99,13

06.01.2023: €99,87

Wochenende

09.01.2023: €100,33

Quelle: Universal Investment

Zur Zeit gibt es leider noch Schwierigkeiten bei der Orderannahme. Nicht alle Banken haben die Daten der neuen Anteilklasse eingepflegt oder bieten die Tranche überhaupt an.


Zeichnen Sie die direkt bei der Fondsgesellschaft (ohne Ausgabeaufschlag oder börsenübliche Aufschläge) um den täglichen offiziellen Anteilwert als Einstiegskurs zu sichern! Zum gleichen Kurs können Sie natürlich auch Ihre Anteile täglich (ohne Spanne) verkaufen! Wenn Sie Ihre Order an die Fondsgesellschaft morgens (ohne Limit, “bestens”) aufgeben (vor 13 Uhr), wird diese i.d.R. am gleichen Tag zum offiziellen Anteilwerts am Ende des Tages ausgeführt. Der tägliche Anteilwert (s.o.) wird dann am nächsten Tag gegen 12 Uhr veröffentlicht. Am übernächsten Tag sind die Anteile in Ihrem Depot eingebucht und der Gegenwert abgebucht. Durch diese Vorgehensweise können Sie täglich ohne Ausgabeaufschlag, Rücknahmegebühr oder Spanne die Fondsanteile handeln. Sollten Sie bei Ihrer Bank NICHT über die Fondsgesellschaft handeln können, bitten wir um kurze Benachrichtigung. Wir kümmern uns dann um die Anbindung der Bank.

In diesem Blog wird ca. 2-3 Mal pro Woche berichtet. Ältere Einträge können noch für die letzen ca. vier Wochen hier abgerufen werden.


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