2025 war ein weiteres Extremjahr für aktives Aktienmanagement. Nicht, weil Aktien insgesamt schlecht gelaufen wären – im Gegenteil. Sondern weil erneut nur sehr wenige Titel den Markt getragen haben. Wer nicht exakt dort investiert war, blieb zurück.
Der Anstieg des S&P 500 auf neue Rekordstände wurde abermals von einer kleinen Gruppe US-amerikanischer Mega-Cap-Technologiewerte dominiert. Diese Entwicklung setzt einen Trend fort, der die Märkte seit fast einem Jahrzehnt prägt – 2025 erreichte die Marktkonzentration jedoch ein neues Extrem. An vielen Handelstagen stiegen weniger als 20 % der Aktien, während die Indizes zulegten. Breite Diversifikation half damit nicht mehr – sie schadete relativ zur Benchmark.
Die Geduld vieler Anleger war entsprechend erschöpft. Laut Schätzungen von Bloomberg Intelligence (auf Basis von ICI-Daten) wurden 2025 rund 1 Billion US-Dollar aus aktiven Aktienfonds abgezogen – das elfte Jahr in Folge mit Nettoabflüssen.

Abflüsse aus aktiv gemanagten US Aktienfonds
Gleichzeitig wurden über 600 Mrd. USD in passive ETFs investiert. Für viele Investoren stellte sich damit eine einfache, aber folgenschwere Frage: Warum für Abweichungen vom Index bezahlen, wenn genau diese systematisch bestraft werden?
ETF-Boom und die Dominanz der passiven Kapitalmaschine
Der ETF-Boom hat eine neue Dimension erreicht. In den USA gibt es inzwischen mehr ETFs als börsennotierte Einzelaktien. Die Produktvielfalt senkt zwar Kosten, führt aber zunehmend zu Orientierungslosigkeit. Rund vier neue ETFs pro Tag kommen auf den Markt – viele davon hochspezialisiert, thematisch eng oder kurzfristig konzipiert. Ein Großteil erreicht nie kritische Größe und verschwindet wieder.

Anzahl ETFs und Aktien an US Börsen
Gleichzeitig wird Kapital immer stärker top-down und regelbasiert allokiert. Was ursprünglich zur effizienten Abbildung von Märkten gedacht war, hat sich zu einer passiven Kapitalmaschine entwickelt, die weitgehend unabhängig von Bewertung, Fundamentaldaten oder Liquidität agiert. In vielen Marktphasen bewegen heute indexgetriebene Kapitalflüsse die Aktienkurse – nicht mehr umgekehrt.
Das Ergebnis ist ein Markt mit hoher nomineller Liquidität, aber wachsender struktureller Fragilität. Längst ist global mehr Kapital passiv als aktiv investiert.

Passives vs. aktives Fondsvolumen USA
Was passiert, wenn die Kapitalmaschine stoppt?
Die entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn der Aktienmarkt einmal wirklich unter Druck gerät? ETFs sind nur solange liquide, wie Market Maker kontinuierlich Kurse stellen können. Diese tun dies wiederum nur, wenn sie sich unmittelbar absichern können – in der Regel über den Terminmarkt. Das Risiko wird damit durchgereicht.
Klassische Fonds – wie der TimmInvest Europa Plus Fonds – können börsentäglich zum fairen Nettoinventarwert (NAV) an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. ETFs hingegen sind vollständig auf das Funktionieren des Sekundärmarktes angewiesen; eine direkte Rückgabe an die Fondsgesellschaft ist für Privatanleger nicht möglich. Gerät dieser Markt unter Stress, besteht die Gefahr, dass die passive Kapitalmaschine nicht mehr als Käufer auftritt, sondern zu einem kollektiven Verkäufer wird.
Während aktive Fonds früher mit höheren Cash-Quoten in fallenden Märkten häufig als Käufer auftraten, verlieren sie infolge der massiven Verschiebung der Kapitalströme hin zu passiven Strategien zunehmend an Bedeutung. Bleibt am Ende vor allem die passive Kapitalmaschine, stellt sich zwangsläufig die systemische Frage: Wer kauft, wenn sie selbst verkauft?
Ein möglicher Auslöser für einen panikartigen Börsensturz könnte ein exogener Schock sein – etwa eine geopolitische Eskalation im Zusammenhang mit einem militärischen Angriff Chinas auf Taiwan. In einem derartigen Szenario könnten passive Abflüsse die Abwärtsbewegung erheblich verstärken, da stabilisierende, diskretionäre Käufer zunehmend fehlen.
Warum Absicherung kein Luxus ist
Aus genau diesem Grund setzen wir im TimmInvest Europa Plus Fonds seit Auflage konsequent auf eine aktive Absicherungsstrategie mit Indexoptionen an der Eurex. Diese Absicherung ist immer präsent, auch wenn sie – wie 2025 – nur selten benötigt wurde. Ähnlich wie eine Feuerwehr an Start- und Landebahnen: ständig einsatzbereit, idealerweise ohne Einsatz.
Der entscheidende Unterschied zu reinen ETF-Strategien liegt darin, dass eine aktive Absicherung nicht nur Verluste begrenzen, sondern auch von der anschließenden Markterholung profitieren kann. Passive Strategien müssen dagegen zunächst ihre eigenen Verluste wieder aufholen.
Jahresende 2025 – Performance und Einordnung
Der STOXX Europe 600 dürfte das Jahr auf einem Allzeithoch Niveau beendet haben – ebenso der TimmInvest Europa Plus Fonds. Zum Jahresende wurde angesichts geringer Liquidität bewusst auf Sicherheit gesetzt. Als eine der letzten Transaktionen wurden am 30.12., nur Minuten vor Börsenschluss, die Absicherungszone nochmals leicht nach oben angepasst.

STOXX Europe 600 Index und Absicherungszone, Quelle: Bloomberg
Die Jahresperformance liegt für beide Anteilsklassen bei über 8,00 % (siehe Link unten). Im Vergleich zu einem nicht abgesicherten Index-ETF mag dies auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen. Angesichts des defensiven Risikoprofils sowie der permanenten, fortlaufend an das jeweilige Indexniveau angepassten Absicherungsstrategie stellt dies jedoch ein solides und zufriedenstellendes Ergebnis dar.
Ausblick 2026
Die Mehrheit der Analysten erwartet auch für 2026 ein positives Aktienjahr (s. letzte Blog Beiträge & Podcast). Das mag eintreten – sicher ist es nicht. Schwächere Jahre wie 2018 oder 2022 gehören zur Realität der Kapitalmärkte. Entscheidend ist nicht die Prognose, sondern die Strategie im Umgang mit Unsicherheit.
Auch 2026 wird es im Kern darum gehen, attraktive Renditen mit europäischen Aktien bei möglichst begrenztem Risiko zu erzielen. Dafür stehen alle in den vergangenen Jahren erprobten Instrumente zur Verfügung – und weitere werden je nach Marktverlauf ergänzt. Der Charme aktiven Managements liegt gerade in dieser Flexibilität.
Zum Jahresende danke ich allen Investorinnen und Investoren im TimmInvest Europa Plus Fonds für ihr Vertrauen sowie allen Leserinnen und Lesern des TimmBlogs für ihr anhaltendes Interesse. Der direkte Austausch mit Ihnen – bei Börsentagen, Veranstaltungen oder im persönlichen Gespräch – ist für mich ein zentraler Bestandteil dieses Fondsansatzes und zugleich ein Privileg eines Boutiquen-Fonds.
Mein Dank gilt ebenso unseren Partnern, die den Fonds täglich begleiten und weiterentwickeln – insbesondere dem Yellowfin-Portfolio-Management-Team sowie Universal‑Investment.
Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch sowie ein gesundes, erfolgreiches und spannendes Börsenjahr 2026. Ich freue mich auf den weiteren Austausch mit Ihnen.
Ihr
Thomas Timmermann
Derivate-Ecke
Für derivaterfahrene Investoren nachfolgend einige Details zur Overlay-Struktur: In zwei Transaktionen (Spread Orders) wurden insgesamt 195 Put-Indexoptionen (Fälligkeit März 2026) auf den STOXX Europe 600 hochgerollt. Der Basispreis wurde dabei von 565 Indexpunkten auf 575 Indexpunkte (95 Kontrakte) sowie 580 Indexpunkte (100 Kontrakte) angehoben.
Durch diese Anpassung erhöhte sich das durchschnittliche Absicherungsniveau – berechnet als gewichteter Mittelwert der Basispreise unter Berücksichtigung der jeweiligen Kontraktzahlen – auf 571,64 Indexpunkte. Dieses Niveau liegt damit rund 3,5 % unter dem zum Jahresende erreichten Indexstand.
Vortragsankündigung
Potenzial 2026 – Fondsmanagement ohne Filter
Europas Perspektive zwischen Wall Street und Realität
Vortrag am 31. Januar um 10:00 Uhr am Börsentag Dresden

TimmInvest Europa Plus Fonds (alle Anteilklassen)
31.12.2025 10:12 Uhr
Fondsvolumen: €16.747.033,- (29.12.2025)
Aktuelle Ausrichtung des Fonds: 100% Absicherung ab Start Absicherungszone bei 571,64 Indexpunkten (Durchschnitt aller Basispreise der gekauften EUREX STOXX Europe 600 Absicherungsoptionen)
Achtung: durch Absicherung entstehen Kosten!
Aktuelle (geschätzte) Fondsparameter:
Aktienanteil im Fonds: ca. 98,51% (passive Abbildung des STOXX Europe 600 Index)
Mathematisch errechnet Aktienquote (Aktien plus Derivate Positionen): ca. 34,90%
Aktueller Stand Stoxx Europe 600 Index (SXXP): ca. 591,80 Indexpunkte
VAR (Value at Risk) Auslastung: 35,43 per 29.12. (Vergleich: reiner Aktienfonds: 100%; Geldmarkt: 0%) (Quelle: Universal)
Volatilität (360 Tage) STOXX Europe 600 Index: 13,50% (Quelle: Bloomberg)
Volatilität (360 Tage) TimmInvest Europa Plus Fonds AK I: 4,41% (Quelle: Bloomberg)
Produktpräsentation
Hier geht es zur aktuellen Präsentation über die zwei Anteilklassen des TimmInvest Europa Plus Fonds:
Noch Fragen?
Werfen Sie gern einen Blick in unseren aktuellen Frage- und Antwort-Katalog (FAQ) — zum Beispiel:
„Wie funktioniert die jährliche Ausschüttung beim TimmInvest Europa Plus Fonds – und warum fällt der Steuerabzug niedriger aus als erwartet?“
Sie möchten persönlich zum TimmInvest Europa Plus Fonds beraten werden? Gerne! Melden Sie sich bitte am besten per E-Mail: thomas.timmermann@timminvest.com
TimmInvest Europa Plus Fonds AK P (Anteilklasse P)
WKN: A2QCXX ISIN:DE000A2QCXX0180
Verwaltungsgebühr: 1,00 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Jährliche Ausschüttung vor Weihnachten: 5.12.2025: €4,50 – 16.12.2024: €3,50 – 15.12.2023: €3,50 – 15.12.2022: €3,00 – 15.12.2021: €4,00.
Anteilwert AK P
30.12.2024: €107,23
03.12.2025: €115,14
04.12.2025: €110,82 (nach Ausschüttung von €4,50)
Aktuell:
23.12.2025: €111,31
29.12.2025: €111,32
Quelle: Universal Investment
TimmInvest Europa Plus Fonds AK I (Anteilklasse I)
WKN: A3DQ2V ISIN:DE000A3DQ2V1
Strategie: Identisch mit der Anteilklasse P – gleiches Portfolio, gleiche Absicherungsstrategie.
Verwaltungsgebühr: 0,50 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Ausschüttung: Thesaurierend – keine Auszahlung.
Neue Mindestanlagesumme:
Die Einstiegsschwelle wurde auf Wunsch vieler Anleger deutlich gesenkt –
von bisher € 100.000 auf nur € 10.000.
Für spätere Zukäufe gilt keine Mindestgrenze.
Der Erwerb ist auch für Privatanleger möglich.
Mit dieser Anpassung möchten wir einem breiteren Anlegerkreis den Zugang zu unserer institutionellen Anteilklasse ermöglichen – bei weiterhin attraktiven Konditionen.
Anteilwert AK I
30.12.2024: €111,59
Zuletzt:
23.12.2025: €121,11
29.12.2025: €121,14
Quelle: Universal Investment


