Am Freitag habe ich an dieser Stelle gefragt: Kann KI die Börsenhochs retten?
Nur wenige Tage später bekommt diese These einen ziemlich harten Belastungstest.
Brent nähert sich 100 US-Dollar. Dieselpreise explodieren. Zwischen den USA und Kanada ist ein neuer Zollstreit entbrannt. Die langfristigen Zinsen steigen weiter. Und statt über Zinssenkungen diskutieren wir inzwischen über die nächsten Zinserhöhungen von EZB und Fed.
Eigentlich müsste es an den Aktienmärkten längst ungemütlich werden.
Doch gerade die europäischen Börsen halten sich erstaunlich gut.
Die Zinserhöhungen kommen
Der Blick auf die einjährigen Staatsanleiherenditen zeigt, wie deutlich sich die Erwartungen verändert haben.
In den USA rentieren einjährige Staatsanleihen mit rund 4,1 Prozent klar oberhalb des aktuellen Fed-Zinskorridors. In Deutschland liegen wir bei rund 2,7 Prozent und damit ebenfalls deutlich über dem aktuellen EZB-Niveau.

Rendite einjähriger Staatsanleihen USA und Deutschland mit Fed- und EZB-Zinskorridor. Quelle: Bloomberg, Stand 08.09.2026
Die Botschaft ist eindeutig: Der nächste Zinsschritt geht nach oben.
In Europa ist eine weitere Zinserhöhung weitgehend eingepreist. Und auch in den USA ist eine erneute Straffung inzwischen wieder eine realistische Möglichkeit.
Der Druck dafür kommt zunehmend von den Energiemärkten.
Das eigentliche Inflationsproblem heißt Diesel
Brent steht bei knapp 100 US-Dollar. Das allein wäre bereits unangenehm.
Doch wesentlich dramatischer ist inzwischen die Entwicklung bei Diesel.
Europäischer Diesel notiert bei rund 1.419 US-Dollar je Tonne und hat sich deutlich vom Rohölpreis abgekoppelt.

Dieselpreise Europa und USA versus Brent seit 2018. Quelle: Bloomberg, Stand 08.09.2026
Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien treffen auf Exportbeschränkungen und geringere Produktströme aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig sind die weltweiten Reserven an Raffineriekapazitäten begrenzt.
Das macht Diesel für die Inflation besonders gefährlich. Denn höhere Dieselpreise landen unmittelbar in den Kosten von Transport, Logistik und Industrie.
Der nächste Inflationsschub kündigt sich nicht mehr an. An den Energiemärkten ist er bereits sichtbar.
Und damit steigt der Druck auf die Notenbanken weiter.
Die Wall Street nähert sich ihrer Schmerzgrenze
Noch spannender wird es am langen Ende der Zinskurve.
Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren inzwischen bei knapp 4,8 Prozent. Großbritannien liegt bereits über 5 Prozent, Frankreich bei gut 4,2 Prozent und Deutschland bei rund 3,4 Prozent.

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen – UK (lila), USA (blau), Frankreich (rot), Deutschland (gelb) und Japan (orange). Quelle: Bloomberg, Stand 08.09.2026
Damit rückt eine Marke näher, bei der die Wall Street traditionell nervös wird: 5 Prozent bei zehnjährigen US-Staatsanleihen.
Warum diese Marke so wichtig ist, liegt auf der Hand. Je näher die Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe an 5 Prozent heranrückt, desto höher liegt die Messlatte für Aktien. Gleichzeitig werden zukünftige Unternehmensgewinne stärker abgezinst – besonders unangenehm für hoch bewertete Wachstums- und Technologieaktien.
Doch diesmal kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: der enorme Kapitalbedarf des KI-Booms selbst.
Rechenzentren, Chips, Stromversorgung und die notwendige Infrastruktur verschlingen gewaltige Summen. Neben den hohen Staatsdefiziten trifft damit ein weiterer großer Finanzierungsbedarf auf die globalen Kapitalmärkte.
Und genau hier entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch:
KI treibt die Gewinnerwartungen und stützt damit die Aktienmärkte. Gleichzeitig erhöht der KI-Boom den Kapitalbedarf und damit den Druck auf die Anleihemärkte.
Die Ausgangslage könnte also kaum spannender sein:
Öl Richtung 100 Dollar. Dieselpreise nahe historischen Höchstständen. Weitere Zinserhöhungen. Langfristige Renditen auf Mehrjahreshochs. Die amerikanische Zehnjahresrendite nähert sich 5 Prozent. Dazu neue Zollkonflikte.
Eigentlich genügend Gründe, um nervös zu werden.
Doch die Börsen?
Sie fallen einfach nicht.
Makro wird schlechter – Mikro wird besser
Genau hier schließt sich für mich der Kreis zu meinem Blog vom Freitag: Kann KI die Börsenhochs retten?
Die Entwicklung der Unternehmensgewinne liefert darauf eine zunehmend interessante Antwort.
Seit 21 Wochen in Folge werden in den USA mehr Gewinnschätzungen angehoben als gesenkt. Eine so lange Serie gab es seit fünf Jahren nicht mehr.
Noch bemerkenswerter: Die Gewinnerwartungen für den S&P 500 für das kommende Jahr wurden allein in den vergangenen zwei Monaten um fast 4 Prozent nach oben gesetzt.
Das ist für mich der entscheidende Gegensatz dieser Börsenphase:
Makro wird schlechter. Mikro wird besser.
Die Geopolitik verschärft sich. Energie wird teurer. Zölle steigen. Zinsen steigen.
Aber die Unternehmensgewinne steigen eben auch.
Und damit sind wir wieder bei KI.
Der KI-Boom ist längst mehr als eine Wette auf einige wenige Chipunternehmen. Die Investitionen in Rechenzentren, Energieversorgung, Infrastruktur und Software ziehen immer größere Kreise durch die Wirtschaft. Gleichzeitig beginnen sich die erwarteten Produktivitätsgewinne in den Gewinnschätzungen niederzuschlagen.
Vielleicht war deshalb meine Frage vom Freitag sogar zu defensiv gestellt.
KI muss die Börsenhochs möglicherweise gar nicht retten. Solange die Gewinne schneller steigen als der Gegenwind, gibt es schlicht zu wenig Gründe zu verkaufen.
The trend is your friend
Und dann gibt es noch die Börse selbst.
The trend is your friend.
Die technische Analyse kennt keine Dieselpreise. Sie kennt keine Inflationsprognosen, keine Zollstreitigkeiten und keine geopolitischen Schlagzeilen. Sie zeigt uns zunächst nur, was der Markt tatsächlich daraus macht.
Und die Botschaft der europäischen Aktienmärkte ist bislang erstaunlich eindeutig: Der Aufwärtstrend hält.
Deshalb halte ich es weiterhin für sinnvoll, den Markt nach oben offen zu lassen und einen intakten Trend nicht vorzeitig zu verlassen.
Aber zur Wahrheit gehört auch: Die Risiken sind gestiegen.
Und genau deshalb wird Absicherung jetzt umso wichtiger. Nicht weil ich den nächsten Rückschlag vorhersagen möchte. Sondern weil eine konsequente Absicherung es ermöglicht, an weiter steigenden Märkten teilzunehmen, ohne die offensichtlich gestiegenen Risiken auszublenden.
Beim TimmInvest Europa Plus Fonds ist diese permanente Absicherung fester Bestandteil der Anlagestrategie.
Diese außergewöhnlich spannende Börsenwoche ist noch lange nicht vorbei. Ihren Höhepunkt dürfte sie am Freitag mit den neuen US-Inflationszahlen erreichen. Sie werden entscheidend dafür sein, wie sich die Zinserwartungen in den USA weiterentwickeln – und ob die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen der 5-Prozent-Marke noch näher kommt.
Mein persönliches Highlight folgt einen Tag später: der Anlegertag Düsseldorf am Samstag.
Ich freue mich auf meinen Vortrag „Europa als Core-Investment – Chancen nutzen, Risiken begrenzen“ und vor allem auf den persönlichen Austausch mit Ihnen zu den Märkten und allen Fragen rund um die Geldanlage.
Ich wünsche Ihnen eine gute Hand in dieser spannenden Börsenwoche.
Kommen Sie gut durch die Woche.
Thomas Timmermann

Am 12. September 2026 freue ich mich auf den Anlegertag Düsseldorf.
Von 10:00 bis 10:40 Uhr spreche ich unter dem Titel „Europa als Core-Investment – Chancen nutzen, Risiken begrenzen“ darüber, warum europäische Aktien aus meiner Sicht wieder einen festen Platz im Kern eines langfristigen Portfolios verdienen.
Dabei geht es nicht nur um Chancen. Gerade das aktuelle Umfeld mit steigenden Zinsen, hohen Energiepreisen und geopolitischen Risiken zeigt, wie wichtig es ist, Rendite und Risiko gemeinsam zu betrachten. Ich werde deshalb auch erläutern, wie sich ein Core-Satellite-Ansatz aufbauen lässt und welche Rolle ein konsequentes Risikomanagement dabei spielen kann.
Natürlich werden auch die aktuellen Märkte eine wichtige Rolle spielen. Nach dieser außergewöhnlich spannenden Börsenwoche dürfte es am Samstag genügend Gesprächsstoff geben.
Ich freue mich auf meinen Vortrag – und besonders auf den persönlichen Austausch mit Ihnen zu Europa, den Kapitalmärkten und allen Fragen rund um die Geldanlage.
TimmInvest Europa Plus Fonds (alle Anteilklassen)
Stand: 8. September 2026, 16:10 Uhr
Fondsvolumen: 17.223.670 € zum 07. September 2026
Der Beginn der Absicherungszone liegt aktuell bei 654,46 Punkten und damit über dem aktuellen Niveau des STOXX Europe 600. Er entspricht dem durchschnittlichen Basispreis der über die Eurex erworbenen Put-Optionen.
Die mathematische Aktienquote beträgt derzeit rund 38,80 %. Der Fonds bleibt damit an weiteren Kurschancen beteiligt, während die Absicherung bei fallenden Märkten zunehmend wirkt.

STOXX Europe 600, Absicherungszone und mathematische Aktienquote. Quelle: Bloomberg, TimmInvest.
Fonds- und Risikoparameter
- Aktienbestand vor Berücksichtigung der Derivatepositionen: ca. 93,99 %
- Mathematische Aktienquote einschließlich Derivatepositionen: ca. 38,80 %
- VaR-Auslastung: 31,90 %
Vergleich: reiner Aktienfonds 100 %, Geldmarkt 0 %. Quelle: Universal Investment - Volatilität über 360 Tage: Fonds 5,14 %, Quelle: Bloomberg
Die Absicherungsstrategie wird fortlaufend an das jeweilige Marktniveau angepasst. Sie verursacht laufende Kosten und zielt darauf ab, Verluste zu begrenzen, kann diese jedoch nicht vollständig ausschließen.
Hinweis zur steuerlichen Behandlung
Der TimmInvest Europa Plus Fonds ist steuerlich als Aktienfonds klassifiziert. Bei Privatanlegern greift grundsätzlich die gesetzliche Teilfreistellung von 30 Prozent, sodass nur 70 Prozent der Erträge der Besteuerung unterliegen. Bei Einzelaktien, Festgeld und klassischen Rentenfonds werden die Erträge grundsätzlich vollständig berücksichtigt. Die steuerliche Abwicklung erfolgt automatisch über die depotführende Stelle. Die individuelle steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und kann sich künftig ändern.
Fondspräsentation
Hier geht es zur aktuellen Präsentation der beiden Anteilklassen des TimmInvest Europa Plus Fonds:
Noch Fragen?
In unserem Fragen-&-Antworten-Katalog (FAQ) finden Sie ausführliche Antworten auf die häufigsten Fragen rund um den TimmInvest Europa Plus Fonds – von der Investmentphilosophie und dem aktiven Risikomanagement über Kosten, Steuern und Ausschüttungen bis hin zur mathematischen Aktienquote sowie den aktuellen Risiko- und Performancekennzahlen.
Nicht jede Frage lässt sich jedoch in einem FAQ beantworten. Wenn Sie sich persönlich über den TimmInvest Europa Plus Fonds informieren oder sich mit mir über unsere Investmentstrategie austauschen möchten, freue ich mich auf Ihre Nachricht.
E-Mail Thomas Timmermann: thomas.timmermann@timminvest.com
TimmInvest Europa Plus Fonds AK P (Anteilklasse P)
WKN: A2QCXX ISIN: DE000A2QCXX0
Verwaltungsgebühr: 1,00 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Jährliche Ausschüttung vor Weihnachten: 5.12.2025: €4,50 – 16.12.2024: €3,50 – 15.12.2023: €3,50 – 15.12.2022: €3,00 – 15.12.2021: €4,00.
Anteilwert AK P
03.12.2025: €115,14
04.12.2025: €110,82 (nach Ausschüttung von €4,50)
30.12.2025: €111,52
Aktuell:
04.09.2026: €118,22
07.09.2026: €118,31
Quelle: Universal Investment
TimmInvest Europa Plus Fonds AK I (Anteilklasse I)
WKN: A3DQ2V ISIN: DE000A3DQ2V1
Strategie: Identisch mit der Anteilklasse P – gleiches Portfolio, gleiche Absicherungsstrategie.
Verwaltungsgebühr: 0,50 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Ausschüttung: Thesaurierend – keine Auszahlung.
Mindestanlagesumme: 10.000 €
Die Anteilklasse I steht institutionellen Investoren und Privatanlegern gleichermaßen offen. Für spätere Zukäufe gilt keine Mindestanlage.
Anteilwert AK I
30.12.2025: €121,35
Zuletzt:
04.09.2026: €129,04
07.09.2026: €129,15
Quelle: Universal Investment


