Während die Börse erneut auf amerikanische KI-Konzerne blickt, gewinnen Europas Unternehmen im Hintergrund an Ertragskraft. Sie bieten globale Umsätze, eine breite Beteiligung am nächsten Investitionszyklus – und das zu deutlich niedrigeren Bewertungen.
An diesem Montag erzählt die Börse zunächst wieder ihre vertraute Geschichte: Starke Zahlen des KI-Unternehmens Anthropic treiben die Nasdaq-Futures nach oben. Die großen amerikanischen Technologiekonzerne dominieren die Schlagzeilen, während sich der STOXX Europe 600 kaum bewegt.
Gleichzeitig steigt Brent-Rohöl angesichts der schwindenden Hoffnung auf eine baldige Entspannung im Nahen Osten wieder in Richtung 90 US-Dollar. Trotzdem bleiben die Märkte erstaunlich ruhig. Der amerikanische Volatilitätsindex VIX ist auf den niedrigsten Stand dieses Jahres gefallen.
Diese Ruhe wird von starken Unternehmensgewinnen getragen. Sie birgt aber auch die Gefahr, dass Anleger nur noch auf das schauen, was zuletzt besonders gut funktioniert hat. Genau deshalb lohnt sich ein Blick nach Europa.
Ein anderer Aktienmarkt – nicht der schlechtere
Wenn heute über Aktien gesprochen wird, richtet sich der Blick fast automatisch auf die USA: künstliche Intelligenz, Technologiekonzerne und die „Magnificent Seven“. Europa erscheint daneben häufig wie ein Markt von gestern.
Doch Europas Unternehmen besitzen andere Stärken. Sie finanzieren Volkswirtschaften, bauen Fabriken und Stromnetze, versichern globale Risiken, liefern Energie und stellen einen erheblichen Teil jener Infrastruktur bereit, auf der auch die digitale Zukunft beruht.
Europa ist deshalb keine schwächere Ausgabe Amerikas. Es ist ein eigenständiger Aktienmarkt mit globalen Erträgen, einer breiten Branchenstruktur und interessanten Bewertungen.
Europäische Aktien, globale Umsätze
Lediglich gut 40 Prozent der Umsätze der Unternehmen im STOXX Europe 600 werden in Europa erzielt. Rund 24 Prozent stammen aus Nordamerika und weitere 19 Prozent aus der Region Asien-Pazifik.
Wer in europäische Aktien investiert, beteiligt sich somit keineswegs nur an der europäischen Konjunktur. Er investiert in weltweit tätige Unternehmen – allerdings zu europäischen Bewertungen.

Geografische Umsatzverteilung der Unternehmen im STOXX Europe 600. Datenquelle: Goldman Sachs Research; Vorlage: The Pioneer/Statista; Neugestaltung: TimmInvest.
Auch die Zusammensetzung des europäischen Aktienmarktes wird häufig unterschätzt. Banken, Industrie-, Energie-, Infrastruktur- und Versorgungsunternehmen prägen heute den Index. Ihre Leistungen werden weltweit benötigt: für Verteidigung, Elektrifizierung, Stromnetze, Rechenzentren und die Finanzierung großer Investitionsprojekte.
Selbst die viel diskutierten Schwierigkeiten der Automobilindustrie besitzen für den Gesamtmarkt weniger Gewicht, als man vermuten könnte. Die Branche erwirtschaftet zwar rund zehn Prozent der Umsätze, repräsentiert inzwischen aber nur noch etwa ein Prozent des europäischen Börsenwerts. Probleme einzelner Hersteller bestimmen daher nicht automatisch die Perspektiven des gesamten Aktienmarktes.
Die Gewinne kommen zurück
Die internationale und sektorale Vielfalt zeigt sich zunehmend in den Unternehmensgewinnen.
Im ersten Halbjahr 2026 dürften die Gewinne der Unternehmen im STOXX Europe 600 um 14 Prozent gestiegen sein – so kräftig wie seit drei Jahren nicht mehr. Selbst ohne die besonders zyklischen Rohstoffkonzerne verbleibt ein Plus von rund sieben Prozent. Goldman Sachs hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deshalb von zehn auf 15 Prozent angehoben.
Auch die erwarteten Gewinne je Aktie zeigen nach zwölf schwierigen Monaten wieder deutlich nach oben.

Erwartete Gewinne je Aktie im STOXX Europe 600 für das Jahr 2026. Quelle: Bloomberg.
Getragen wird die Erholung vor allem von Finanzwerten, Industrieunternehmen und Versorgern. Ausgerechnet der amerikanische KI-Boom schafft neue Nachfrage nach europäischen Anlagenbauern, Energieversorgern, Netzbetreibern, Banken und Infrastrukturkonzernen.
Europa besitzt weniger große Technologiekonzerne. Dafür liefert es einen erheblichen Teil dessen, was die digitale Welt zum Wachsen benötigt. Europa muss den KI-Boom nicht anführen, um an ihm zu verdienen.
Auch beim Inflationsdruck besitzt Europa momentan einen relativen Vorteil. Der jüngste Ölpreisschock ist in den europäischen Verbraucherpreisen bislang weniger stark angekommen als in den USA. Eine weitere Eskalation im Nahen Osten würde zwar auch Europa belasten. Der bislang geringere Preisdruck verschafft der Europäischen Zentralbank jedoch mehr Spielraum als der Federal Reserve.
Globale Erträge zu europäischen Preisen
Europas günstigere Bewertung lässt sich nicht allein mit seiner geringeren Zahl großer Technologiekonzerne erklären. Auch innerhalb vergleichbarer Branchen zahlen Anleger für amerikanische Unternehmen deutlich höhere Preise.
Besonders anschaulich zeigt sich das bei Industrieunternehmen. Amerikanische Industriekonzerne werden derzeit mit ungefähr dem 25-Fachen ihrer erwarteten Gewinne bewertet, ihre europäischen Wettbewerber mit rund dem 22-Fachen. Anleger erhalten damit Zugang zu ähnlichen globalen Investitionsthemen – von Automatisierung und Elektrifizierung bis zu Infrastruktur und Rechenzentren –, bezahlen dafür in Europa aber einen niedrigeren Preis.

Kurs-Gewinn-Verhältnis amerikanischer und europäischer Industrieunternehmen. Quelle: Bloomberg Graph Fundamentals.
Hinzu kommt der höhere laufende Cashflow: Die Free-Cashflow-Rendite des STOXX Europe 600 liegt bei mehr als fünf Prozent, beim S&P 500 dagegen nur bei rund 3,5 Prozent.
Das internationale Kapital beginnt, diese Kombination neu zu bewerten. Laut Goldman Sachs sind 2026 bereits rund 150 Milliarden US-Dollar in europäische Aktienfonds geflossen – beinahe so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2021. Die Zuflüsse stammen nahezu vollständig von ausländischen Investoren.
Europa wird also nicht deshalb interessanter, weil es Amerika ähnlicher wird. Es wird interessanter, weil Anleger seine eigenen Stärken wieder höher bewerten.
Mehr als eine taktische Beimischung
Natürlich bleiben Herausforderungen bestehen. Europa besitzt keinen mit den USA vergleichbaren Technologiesektor, leidet unter einer ungünstigen Demografie und ist bei wichtigen Energieträgern weiterhin von Importen abhängig. Politische Unsicherheit und ungelöste geopolitische Konflikte kommen hinzu.
Doch Europas Unternehmen verfügen über globale Kunden, starke Marktpositionen, hohe Cashflows und eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des nächsten Investitionszyklus.
Gerade diese Kombination macht europäische Aktien für europäische Anleger zu mehr als einer taktischen Beimischung. Wer seine Ausgaben und finanziellen Verpflichtungen überwiegend in Euro hat, sollte den Kern seines Depots nicht vollständig von amerikanischen Aktien und der Entwicklung des US-Dollars abhängig machen.
Europäische Unternehmen verbinden globale Ertragsquellen mit einem deutlich geringeren unmittelbaren Fremdwährungsexposure als eine stark US-dominierte Aktienanlage. Vollständig verschwindet das Währungsrisiko aufgrund ihrer internationalen Geschäftstätigkeit und der europäischen Nicht-Euro-Länder allerdings nicht.
Der TimmInvest Europa Plus Fonds wurde für eine solche Rolle im Core entwickelt. Er verbindet die langfristigen Chancen europäischer Aktien mit einer permanenten, an das jeweilige Marktniveau angepassten Absicherungsstrategie. Er bleibt eine Aktienanlage und kann Verluste nicht ausschließen, soll größere Rückschläge aber abfedern und damit das Durchhalten über unterschiedliche Marktphasen erleichtern.
Europa muss Amerika nicht kopieren. Seine Stärke liegt gerade darin, globale Erträge mit einem europäischen Fundament zu verbinden.
Ich wünsche Ihnen eine zuversichtliche Woche.
Thomas Timmermann

Am 12. September 2026 freue ich mich, auf dem Anlegertag Düsseldorf meinen aktuellen Marktausblick zu präsentieren.
Unter dem Titel „Europa als Core-Investment – Chancen nutzen, Risiken begrenzen“ zeige ich, warum Europa nach Jahren der Underperformance wieder stärker in den Fokus internationaler Investoren rückt. Außerdem erläutere ich den Core-Satellite-Ansatz und wie sich Renditechancen mit einem konsequenten Risikomanagement verbinden lassen.
Im Mittelpunkt stehen die aktuellen Entwicklungen an den europäischen Kapitalmärkten sowie ein Einblick in die tägliche Steuerung des TimmInvest Europa Plus Fonds.
Ich freue mich auf viele interessante Gespräche und den persönlichen Austausch.
TimmInvest Europa Plus Fonds (alle Anteilklassen)
Stand: 17.08.2026, 16:14 Uhr
Fondsvolumen: 17.370.126 € per 14.08.2026
Der Beginn der Absicherungszone liegt aktuell bei 651,89 Punkten und damit 0,88 Prozent unter dem aktuellen Stand des STOXX Europe 600. Er entspricht dem durchschnittlichen Basispreis der über die EUREX erworbenen Put-Optionen.
Die Absicherungsstrategie wird fortlaufend an das jeweilige Marktniveau angepasst. Die mathematische Aktienquote beträgt derzeit rund 54 Prozent. Damit bleibt der Fonds an weiteren Kurschancen beteiligt und ist zugleich auf mögliche Rückschläge vorbereitet.

STOXX Europe 600, Absicherungszone und mathematische Aktienquote. Quelle: Bloomberg, TimmInvest.
Fonds- und Risikoparameter
- Aktienbestand vor Berücksichtigung der Derivatepositionen: ca. 95 Prozent
- Mathematische Aktienquote einschließlich Derivatepositionen: ca. 54 Prozent
- VaR-Auslastung: 67,79 Prozent
Vergleich: reiner Aktienfonds 100 Prozent, Geldmarkt 0 Prozent. Quelle: Universal Investment - Volatilität über 360 Tage: Fonds 5,39 Prozent, STOXX Europe 600 14,41 Prozent
Quelle: Bloomberg
Die Absicherungsstrategie verursacht laufende Kosten und kann Verluste nicht vollständig ausschließen.
Hinweis zur steuerlichen Behandlung
Der TimmInvest Europa Plus Fonds ist steuerlich als Aktienfonds klassifiziert und profitiert in Deutschland von der gesetzlichen Teilfreistellung von 30 Prozent. Dadurch bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei; nur die verbleibenden 70 Prozent werden steuerlich berücksichtigt. Bei Einzelaktien, Festgeld und klassischen Rentenfonds werden die Erträge dagegen grundsätzlich vollständig besteuert. Die steuerliche Abwicklung erfolgt automatisch über die depotführende Stelle.
Fondspräsentation
Hier geht es zur aktuellen Präsentation der beiden Anteilklassen des TimmInvest Europa Plus Fonds:
Noch Fragen?
In unserem Fragen-&-Antworten-Katalog (FAQ) finden Sie ausführliche Antworten auf die häufigsten Fragen rund um den TimmInvest Europa Plus Fonds – von der Investmentphilosophie und dem aktiven Risikomanagement über Kosten, Steuern und Ausschüttungen bis hin zur mathematischen Aktienquote sowie den aktuellen Risiko- und Performancekennzahlen.
Nicht jede Frage lässt sich jedoch in einem FAQ beantworten. Wenn Sie sich persönlich über den TimmInvest Europa Plus Fonds informieren oder sich mit mir über unsere Investmentstrategie austauschen möchten, freue ich mich auf Ihre Nachricht.
E-Mail Thomas Timmermann: thomas.timmermann@timminvest.com
TimmInvest Europa Plus Fonds AK P (Anteilklasse P)
WKN: A2QCXX ISIN: DE000A2QCXX0
Verwaltungsgebühr: 1,00 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Jährliche Ausschüttung vor Weihnachten: 5.12.2025: €4,50 – 16.12.2024: €3,50 – 15.12.2023: €3,50 – 15.12.2022: €3,00 – 15.12.2021: €4,00.
Anteilwert AK P
03.12.2025: €115,14
04.12.2025: €110,82 (nach Ausschüttung von €4,50)
30.12.2025: €111,52
Aktuell:
13.08.2026: €119,79
14.08.2026: €119,62
Quelle: Universal Investment
TimmInvest Europa Plus Fonds AK I (Anteilklasse I)
WKN: A3DQ2V ISIN: DE000A3DQ2V1
Strategie: Identisch mit der Anteilklasse P – gleiches Portfolio, gleiche Absicherungsstrategie.
Verwaltungsgebühr: 0,50 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Ausschüttung: Thesaurierend – keine Auszahlung.
Mindestanlagesumme: 10.000 €
Die Anteilklasse I steht institutionellen Investoren und Privatanlegern gleichermaßen offen. Für spätere Zukäufe gilt keine Mindestanlage.
Anteilwert AK I
30.12.2025: €121,35
Zuletzt:
13.08.2026: €130,72
14.08.2026: €130,54
Quelle: Universal Investment


