Im gestrigen Beitrag “Europas Aktienmarkt ist mehr als seine Autoindustrie“ habe ich gezeigt, dass die öffentliche Wahrnehmung und die tatsächliche Zusammensetzung des europäischen Aktienmarktes weit auseinanderliegen.
Während meist über die Probleme der Automobilindustrie gesprochen wird, bestimmen längst andere Branchen die Entwicklung des STOXX Europe 600. Banken, Energieunternehmen und Technologieanbieter besitzen ein deutlich größeres Gewicht. Genau diese breite Aufstellung ist ein Grund dafür, warum Europas Aktienmärkte gegenwärtig widerstandsfähiger sind, als es die Schlagzeilen vermuten lassen.
Öl notiert weiterhin in der Nähe von 100 US-Dollar, Diesel bleibt teuer und die langfristigen Zinsen sind deutlich gestiegen. Eigentlich müsste dieses Umfeld die Aktienmärkte stärker belasten.
Doch die Börsen halten sich erstaunlich gut. An der Wall Street hat der Nasdaq 100 – getragen von wenigen großen Technologie- und Halbleiterwerten – sogar ein neues Rekordhoch erreicht. In Europa liegen die Märkte zwar noch unter ihren Höchstständen, dafür überrascht hier die Konjunktur positiv.
Im aktuellen Börsenradio-Podcast spreche ich mit Andreas Groß darüber, warum künstliche Intelligenz an der Wall Street wieder die dominante Geschichte ist, weshalb Europa den Energieschock besser verkraftet als früher und welches Kurspotenzial entstehen könnte, wenn sich nur einer der geopolitischen Konflikte entspannt.
Europas Wirtschaft überrascht positiv
Der Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euroraum ist im September auf 53,1 Punkte gestiegen – den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Werte oberhalb von 50 signalisieren wirtschaftliche Expansion.
Besonders bemerkenswert ist der überraschend starke Dienstleistungssektor. Nach dem außergewöhnlich heißen Sommer, niedrigen Flusspegeln und anhaltend hohen Energiepreisen war mit mehr Belastung gerechnet worden. Auch die Industrie zeigt sich robust, unter anderem gestützt durch Investitionen und Rüstungsaufträge.

Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum. Werte oberhalb von 50 Punkten signalisieren wirtschaftliche Expansion. Quelle: Bloomberg, S&P Global; Stand: 23. September 2026; Neugestaltung: TimmInvest.
Der Einkaufsmanagerindex blickt nicht nur zurück. Er gehört zu den Frühindikatoren, die Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Monate geben.
Seine Botschaft lautet derzeit: Die europäische Wirtschaft ist widerstandsfähiger, als es der Blick auf Ölpreis und geopolitische Schlagzeilen vermuten lässt.
Der Energieschock verliert einen Teil seiner Wirkung
Seit Jahresbeginn ist der Ölpreis massiv gestiegen. In früheren Marktphasen hätte eine vergleichbare Bewegung wahrscheinlich deutlich stärkere Kursverluste ausgelöst.
Diesmal sind die Unternehmensgewinne und Konjunkturdaten jedoch überraschend stabil. Ein möglicher Grund ist die geringere direkte Abhängigkeit vom Öl. Europas Stromerzeugung wird heute stärker durch einen breiteren Energiemix geprägt. Sonne und Wind spielen eine größere Rolle, während Unternehmen ihre Lieferketten und ihren Energieverbrauch in den vergangenen Krisenjahren angepasst haben.
Das bedeutet nicht, dass ein hoher Öl- oder Dieselpreis folgenlos bleibt. Transport, Logistik und Produktion werden teurer und der Inflationsdruck kann erneut steigen.
Doch die bisherigen Daten zeigen: Wirtschaft und Unternehmen können diesen Belastungen offenbar länger standhalten als früher.
Wall Street spielt KI – Europa bleibt breiter aufgestellt
An der Wall Street dominiert erneut die positive KI-Geschichte. Wenige große Technologie- und Halbleiterwerte haben ausgereicht, um den Nasdaq auf ein neues Rekordhoch zu treiben. Diese geringe Marktbreite bleibt ein technischer Schwachpunkt.
Europa ist anders aufgestellt. Wie im letzten Blog beschrieben, wird der europäische Aktienmarkt nicht von einer kleinen Gruppe von Technologieunternehmen und schon gar nicht mehr von der Automobilindustrie bestimmt. Banken und Energieunternehmen gehören zu den stärksten Sektoren des Jahres. Gleichzeitig muss sich auch der europäische Technologiesektor im bisherigen Jahresverlauf nicht hinter dem Nasdaq 100 verstecken.
Der STOXX Europe 600 verteilt sein Gewicht auf 600 Unternehmen und bildet damit ein wesentlich breiteres Marktbild ab.
Auch technisch hat sich die Lage stabilisiert. Die jüngste Konsolidierung führte wichtige europäische Indizes zurück an ihre früheren Ausbruchsbereiche und in die Nähe der 100-Tage-Linien. Diese Marken konnten bislang zurückerobert beziehungsweise verteidigt werden.
Eine technische Trendwende lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Entspannung könnte zum positiven Überraschungsfaktor werden
Die geopolitischen Konflikte sind nicht gelöst. Eine weitere Eskalation würde die Energiepreise und die Aktienmärkte erneut unter Druck setzen. Es gibt deshalb keine Garantie für weiter steigende Kurse.
Gleichzeitig wächst der politische Druck, Fortschritte zu erzielen. Hohe Diesel- und Benzinpreise sind besonders vor den US-Zwischenwahlen ein Problem. Auch im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sowie zwischen den USA und Iran bestehen zumindest Gesprächskanäle.
Sollte sich nur einer dieser Konflikte entspannen und der Ölpreis deutlich fallen, träfe dieser positive Impuls auf robuste Konjunkturdaten, stabile Unternehmensgewinne und europäische Aktienmärkte, die noch unter ihren Höchstständen notieren.
Der DAX liegt derzeit rund 4,5 Prozent unter seinem bisherigen Rekordhoch. Ein deutlicher Rückgang des Ölpreises könnte deshalb gerade in Europa eine kräftige Aufwärtsbewegung auslösen.
Die Risiken sind nicht verschwunden. Aber Wirtschaft und Unternehmen haben offenbar gelernt, besser mit ihnen umzugehen. Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft der vergangenen Monate.
Podcast
Im aktuellen Börsenradio-Podcast sprechen wir ausführlich über die überraschend starken Konjunkturdaten aus Europa, die Dominanz der KI-Geschichte an der Wall Street, die technische Lage der europäischen Aktienmärkte und die Positionierung des TimmInvest Europa Plus Fonds.
Hier können Sie den aktuellen Börsenradio-Podcast direkt anhören:
Hinweis: Das Interview wurde am 23. September 2026 aufgezeichnet.
Zusätzlich finden Sie hier den direkten Link zum Podcast beim Börsenradio Network:
Zum Schluss wird es persönlich: Am Sonntag starte ich zum 19. Mal beim Berlin-Marathon. Nach mehr als 3.000 Trainingskilometern in diesem Jahr freue ich mich auf 42,195 Kilometer und auf die besondere Atmosphäre dieser internationalen Veranstaltung.
Menschen aus aller Welt stehen dort gemeinsam in einem Startblock. Unabhängig von Nationalität und Herkunft haben alle dieselbe Strecke, dieselbe Aufgabe und dieselben 42,195 Kilometer vor sich. Gerade in der heutigen Zeit ist das ein besonders schönes Bild.
Ein Marathon und langfristiges Investieren haben zudem einiges gemeinsam: Entscheidend sind Vorbereitung, Disziplin und die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen am eigenen Plan festzuhalten.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Anhören des Podcasts und eine erfolgreiche Restwoche.
Thomas Timmermann

Am 10. Oktober 2026 freue ich mich auf den Börsentag Berlin im Ludwig Erhard Haus.
Von 10:00 bis 10:40 Uhr spreche ich im Kleinen Saal (UG) unter dem Titel „Europa als Core-Investment – Chancen nutzen, Risiken begrenzen“ darüber, warum europäische Aktien einen festen Platz im Kern eines langfristigen Portfolios verdienen.
Hohe Energiepreise, steigende Zinsen und neue Inflationsrisiken sorgen derzeit für größere Schwankungen. Gleichzeitig stützen robuste Unternehmensgewinne, KI-Investitionen und die zunehmende Investitionstätigkeit in Europa die Märkte.
In meinem Vortrag zeige ich, wie sich Europa in einen Core-Satellite-Ansatz integrieren lässt, welche Rolle ein konsequentes Risikomanagement spielt und wie wir diese Prinzipien im TimmInvest Europa Plus Fonds umsetzen.
TimmInvest Europa Plus Fonds (alle Anteilklassen)
Stand: 23. September 2026, 15:35 Uhr
Fondsvolumen: 17.189.887 € zum 22. September 2026
Der Beginn der Absicherungszone liegt bei 654,46 Punkten. Der STOXX Europe 600 notierte am 23. September 2026 um 15:35 Uhr bei 640,33 Punkten und damit rund 2,2 Prozent unter dieser Schwelle. Mit dem Rückgang des Index hat sich die Wirkung der Put-Positionen erhöht.
Innerhalb der Absicherungszone strebt das Fondsmanagement an, auch in seitwärts tendierenden Märkten zusätzliche Erträge zu erzielen und damit einen Teil der Absicherungskosten zu finanzieren. Die mathematische Aktienquote einschließlich der Derivatepositionen lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 31 Prozent.

STOXX Europe 600, Absicherungszone und mathematische Aktienquote. Quelle: Bloomberg, TimmInvest; Stand: 23. September 2026, 15:35 Uhr.
Fonds- und Risikoparameter
- Aktienbestand vor Berücksichtigung der Derivatepositionen: ca. 92,85 %
- Mathematische Aktienquote einschließlich Derivatepositionen: ca. 30,80 %
Zur Einordnung: 100 % entsprechen einem vollständigen Aktienmarktengagement, 0 % keinem Aktienmarktengagement. - VaR-Auslastung: 26,19 % Quelle: Universal Investment
- Volatilität über 360 Tage: Fonds 5,11 %, Quelle: Bloomberg
Hinweis zur Absicherungsstrategie
Die aktive Absicherungsstrategie zielt darauf ab, stärkere Kursverluste des europäischen Aktienmarktes abzufedern und die Schwankungsbreite des Fonds zu reduzieren. Umfang und Wirkung der Absicherung hängen unter anderem vom jeweiligen Marktniveau, den eingesetzten Optionen sowie von der Zusammensetzung des Fondsportfolios ab. Die Absicherungsstrategie stellt keine Kapitalgarantie dar und kann Verluste nicht in jeder Marktsituation vollständig verhindern. Der Einsatz und die fortlaufende Anpassung der Optionen verursachen Kosten und können die Beteiligung an steigenden Märkten zeitweise reduzieren. Ausführliche Informationen zu den Chancen und Risiken des Fonds enthalten das Basisinformationsblatt und der Verkaufsprospekt von Universal Investment.
Hinweis zur steuerlichen Behandlung
Der TimmInvest Europa Plus Fonds ist steuerlich als Aktienfonds klassifiziert. Für Privatanleger, die ihre Anteile im Privatvermögen halten, sind nach derzeitiger Rechtslage grundsätzlich 30 Prozent der Erträge von der Besteuerung freigestellt. Die konkrete steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Anlegers ab und kann sich durch gesetzliche Änderungen verändern. Die vorstehenden Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine steuerliche Beratung dar. Bei steuerlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater.
Monatliche Fondspräsentation
Hier geht es zur aktuellen Präsentation der beiden Anteilklassen des TimmInvest Europa Plus Fonds:
Monatspräsentation September 2026
Weitere Informationen
In unserem Fragen-&-Antworten-Katalog (FAQ) finden Sie Informationen zum TimmInvest Europa Plus Fonds – unter anderem zur Investmentstrategie, zum Risikomanagement, zu Kosten, Steuern, Ausschüttungen sowie zur mathematischen Aktienquote.
Weiterführende Informationen, aktuelle Fondsdaten und die rechtlich maßgeblichen Dokumente finden Sie außerdem auf den nachfolgend verlinkten Seiten von Universal Investment.
Bei allgemeinen Fragen zum Fonds oder zur dargestellten Investmentstrategie können Sie mich per E-Mail erreichen:
Thomas Timmermann: thomas.timmermann@timminvest.com
Die rechtlich maßgeblichen Verkaufsunterlagen und weiteren Pflichtinformationen finden Sie über die nachfolgenden Links von Universal Investment.
TimmInvest Europa Plus Fonds AK P (Anteilklasse P)
WKN: A2QCXX ISIN: DE000A2QCXX0
Verwaltungsgebühr: 1,00 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Bisherige Ausschüttungen der AK P je Anteil: 05.12.2025: 4,50 € · 16.12.2024: 3,50 € · 15.12.2023: 3,50 € · 15.12.2022: 3,00 € · 15.12.2021: 4,00 €
Quelle: Universal Investment. Frühere Ausschüttungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ausschüttungen.
TimmInvest Europa Plus Fonds AK I (Anteilklasse I)
WKN: A3DQ2V ISIN: DE000A3DQ2V1
Strategie: Identisch mit der Anteilklasse P – gleiches Portfolio, gleiche Absicherungsstrategie.
Verwaltungsgebühr: 0,50 % p. a.
Ausgabeaufschlag: 0 %
Ertragsverwendung: thesaurierend – die Erträge verbleiben im Fonds.
Mindestanlagesumme: 10.000 €
Die Anteilklasse I steht institutionellen Investoren und Privatanlegern gleichermaßen offen. Für spätere Zukäufe gilt keine Mindestanlage.


